Start Blog Feuchte Träume von Revolution: Mit Linux ein Zeichen gegen Windows setzen?

Feuchte Träume von Revolution: Mit Linux ein Zeichen gegen Windows setzen?

Seit Jahren bin ich begeisterter Linuxnutzer. Aber eben nicht nur. Aktuell wird wieder viel geschrieben und zum Protest gegen Bill Gates aufgerufen, man solle auf Windows verzichten und dafür das „sichere“ Linux nutzen. Meist wird der Ton sehr hart, die Emotionen schlagen hoch und Beschimpfungen wie, nur gehirngewaschene Vollidioten nutzen Windows, sind noch die harmloseste Variante.

Es gibt tatsächlich nur drei Betriebssysteme, von denen leider nur eines wirklich etwas taugt: MacOS. Es läuft stabil, kennt (fast) keine Viren, ist aber leider gerätegebunden und kostet deshalb einen Haufen Kohle, die man nicht unbedingt ausgeben will, außer man kann die Anschaffungen steuerlich geltend machen. Genau wie Microsoft schnüffelt Apple gerne seine Nutzer aus, richtig wehren kann man sich dagegen nicht, außer der Rechner bleibt offline. Windows ist für die breite Masse, läuft immer noch nicht ganz rund, stürzt gerne ab oder frisst Leistung, die derselbe Rechner mit Linux bestückt gar nicht benötigt und deshalb schneller läuft. Der Umstieg ist simpel. Fast jeder ältere Windows- oder Apple-Rechner lässt sich mit Linux bespielen. Namhafte Hersteller wie Dell oder HP bieten ab Werk manche ihrer Computer auch wahlweise mit Linux an. Doch viele Nutzer für die Linux interessant wäre, scheuen den Umstieg.

Irrtum: Linux ist nur was für Profis

Vollkommener Quatsch. Die verschiedenen Distributionen bieten für fast jeden etwas, besonders für Heimanwender, die nur ein bißchen surfen wollen. Auch Gamer können inzwischen auf Linux zocken. Programmierer haben natürlich ebenso ihren Spaß mit Linux, aber eine Sorte Profis kann mit dem Betriebssystem so gut wie nichts anfangen: Musiker, Toningenieure, Fotografen, Grafiker, Filmer und CAD-Konstrukteure. Sie müssen bei der Online-Revolution gegen Bill Gates leider passen oder ihren Job gleich ganz aufgeben. Auch Buchhalter, Selbständige überhaupt, die Warenwirtschaftsprogramme oder ähnliches benötigen, werden mit Linux nicht satt.

Ich will Linux überhaupt nicht schlecht reden, es eignet sich eben nicht für alle Zwecke, reicht aber für die „normalen“ Anwendungen. Und wenn es einmal läuft, dann läuft es. Mir ist noch nie ein Linuxsystem einfach so abgestürzt, wie es bei Windows immer noch passiert. Ich hasse Windows nicht nur wegen der Geschäftspraktiken von Microsoft, sondern auch wegen seiner ganzen Features, dem Design, dem scheußlichen Logo und einfach überhaupt. Die Alternative heißt Apple und ist nicht weniger unsympathisch, dazu noch teuer, bietet veraltete Technik im Vergleich, dafür aber ein stabiles Betriebssystem mit dem sich besser arbeiten lässt. Das Apfellogo ist übrigens auch nicht mein Geschmack. Was die Leute an dem Design so toll finden, kann ich nicht nachvollziehen.

Sollten die beiden Konzerne ernsthafte Konkurrenz im Profisegment bekommen, wird diese auch nicht durch besondere Fairness glänzen. Die ganzen ideologisch geführten Boykottdebatten bringen aber nichts. Geradezu absurd, in sozialen Netzwerken, die ebensolchen Konzernen gehören über Windows meckern, aber mit Linux bei Amazon bestellen, Netflix schauen und dabei verdrängen, wo die gesamten Bauteile produziert werden. Man kann nicht konsequent konsequent sein und genau aus diesem Grund nutze ich eben Linux, wenn es sich anbietet, obwohl ich als Rheinländer der Überzeugung bin, wat nix kost, dat is nix. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und darum folgt jetzt die nicht revolutionäre Anleitung zum Ausstieg.

Wenn man umsteigen will, muss man sich nach Alternativen für seine bevorzugten Programme umsehen. Hier eine kleine, unvollständige Liste:

  • Office – ist bereits in fast allen Linuxdistributionen enthalten (Libre-Office oder Open Office). Die kostenlosen Suiten können mit den MS-Dateiformaten umgehen, wer beruflich nicht gezwungen ist, mit MS-Office zu arbeiten, ist in der Regel bestens damit bedient.
  • Games – Na, ja, Gamer sind meistens auch Bastler und brauchen keine Anfängertipps. Steam läuft auch auf Linux, ein bißchen zocken ist also möglich, wenn die Grafikkarte genug Leistung bringt
  • Internet, Email und Co. – Thunderbird und Firefox sind bereits an Bord, es gibt weitere kostenlose Programme und alle gängigen Browser auch für Linux
  • Video und Sound – Natürlich läuft alles und Netflix kann man über den Browser ansehen, genau wie am PC. Zur Videobearbeitung gibt es brauchbare Programme, wie KDENlive oder Shotcut, das auch mit 4k problemlos umgehen kann. Auf Profiniveau sind alle diese Lösungen aber nicht wirklich. Einzige Ausnahme bildet Davinci Resolve, das es für Linux, Windows und Mac in der Grundversion ebenfalls kostenlos gibt. Ein einziges Schnittprogramm genügt aber den meisten Profis nicht. Für Anfänger ist Davinci nicht geeignet. Für Youtuber und Livestreamer gibt es das beliebte OBS auch für Linux.
  • Foto und Grafikbearbeitung – Photoshop und alles andere von Adobe laufen nicht auf Linux. Ubuntu-Studio bietet zwar einige Alternativen und GIMP zur Fotobearbeitung, sowie Inkscape für Vektorgrafiken werden stets mitgeliefert, sind aber kein Ersatz, die Industriestandards erfüllen können. Für Einsteiger, die nicht allzusehr in die Tiefe vordringen wollen, sondern nur ihre Fotos katalogisieren und bearbeiten möchten, reicht es aber. Wenn man mehr will, führt kein Weg an Mac oder Windows vorbei.
  • Steuererklärung – Elster läuft zwar auch auf Linux, doch die beliebten WISO-Programme funktionieren nur auf MAC und Windows. Wenn man alles selber ohne Softwareassistent eingeben will, geht auch das mit der Software vom Finanzamt.
  • Spracherkennung – In der Hinsicht ist Linux sicher. Es gibt keine schnüffelnde Cortana, aber eben auch keine Möglichkeit zu Sprachsteuerung oder Diktat. Wer das nicht braucht, kann mit Linux glücklich werden.

Kurze Anleitung: Linux-Umstieg für Laien

Linux Mint ist eine Distribution, die alles an Bord hat, was der Heimanwender braucht. Kostenloses Office, das mit allen Formaten kompatibel ist, Email, Browser und verschiedene Grafikbearbeitungstools. Es läuft besonders gut auf älteren Geräten, bei den allerneusten fehlt manchmal für das ein oder andere Gerät ein Treiber, aber das kann man alles vor der Installation testen.

Hier die aktuelle Version herunterladen. Die beliebteste Variante ist Linux Mint mit dem Cinnamon Desktop. Die 32-bit Version ist meist nur für uralte Geräte gedacht, ob der alte Windows-PC auch für 64-bit geeignet ist, erfährt man mit einem Blick in den Systemeinstellungen.

Nach dem Download kann man das Abbild der Installations-CD auf einen Stick laden, dazu braucht es etwas mehr Kenntnisse, oder auf eine DVD brennen. Wer ganz unsicher ist, kann sich die aktuelle Scheibe auch im Fachhandel bestellen.

Linux vor der Installation testen

Die InstallationsDVD einlegen, den PC starten und den „Bootmanager“ aufrufen, falls nicht das DVD Laufwerk als Bootlaufwerk ausgewählt ist. Dazu muss man häufig die Taste F8, manchmal auch F2 oder Entf während des Startvorgangs drücken. Meistens kommt auch ein solcher Hinweis auf dem schwarzen Bildschirm. So dann das Bootmenue erscheint, wählt man an erste Stelle das DVD Laufwerk, bestätigt die Auswahl und schon lädt das Linux Mint in der Live-Version zum Ausprobieren.

Wenn alles funktioniert hat, sehen Sie nun einen Desktop mit einer Startleiste, wie man es von älteren Windows-Versionen kennt. Sollte ein Treiber, beispielsweise für eine Grafikkarte oder einen Wlan-Stick nicht an Bord sein, erscheint direkt im Livebetrieb dazu eine Fehlermeldung. Bleibt diese Fehlermeldung aus, dann ist das Gerät zu 100 Prozent für Linux Mint geeignet. Sie können erst einmal alle Funktionen testen und dann auf das Symbol „Linux Mint“ installieren klicken.

Die Installation

Für absolute Sicherheit bringt es nichts, wenn man Linux neben Windows installiert. Alle wichtigen Dateien sollte man vorher auf einem externen Laufwerk sichern. Sobald man die Installation gestartet hat, dabei sollte man sich natürlich mit dem Internet verbinden, gibt es mehrere Optionen zur Auswahl. FESTPLATTE LÖSCHEN UND LINUX MINT INSTALLIEREN trifft beim Komplettumstieg am meisten zu. Die weiteren Schritte sind selbst erklärend und wirklich sehr einfach. Es empfiehlt sich, auch die Option LINUX MINT VERSCHLÜSSELN auszuwählen und dafür ein leicht zu merkendes Kennwort zu vergeben. Nach ein paar weiteren Eingaben ist die Installation fertig und Linux läuft.

Downloads und Anleitungen:


Erstveröffentlichung auf: O24