Trump, Vance und die Gewaltfrage – warum Wegsehen keine Op(posi)tion mehr ist

„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“
So lautet Donald Trumps Argument inzwischen nicht nur in der Frage Grönlands. Es eilt ihm voraus wie ein ideologischer Schutzschild, fast wie ein Teil seiner Aura. Zurückhaltung war noch nie seine Stärke. Doch aus den starken Sprüchen sind in seiner zweiten Amtsperiode Taten geworden – Taten, die Tatsachen schaffen sollen, die sich nicht mehr korrigieren lassen.

Sein designierter Nachfolger Vance trat bislang deutlich smarter und weniger großspurig auf. Doch nach dem Tod der 37-jährigen Mutter in Minnesota, die von einem ICE-Agenten erschossen wurde, hat auch er sein wahres Gesicht gezeigt und jede Zurückhaltung abgelegt. Während Trump voreilig von Selbstverteidigung sprach, weil die Fahrerin angeblich ihr Auto als Waffe eingesetzt habe, ging Vance noch weiter und stellte dem Todesschützen faktisch Immunität in Aussicht.

Ob dieses Vorgehen rechtens ist oder ob ein Gericht zu einem anderen Urteil kommt, spielt dabei kaum noch eine Rolle. Vance hat sich klar positioniert und unmissverständlich deutlich gemacht, dass ihm jedes Mittel recht ist. Wer einen Agenten heilig spricht, der höchstwahrscheinlich nicht in Notwehr gehandelt hat, wird auch im Vorfeld vor wenig zurückschrecken, wenn es den eigenen Interessen dient.

Und ja: Die USA können sich das leisten. Die kleinen EU-Europäer haben ihnen nichts mehr entgegenzusetzen und müssen ganz kleine Brötchen backen. In diesem Sinne ist das dynamische Duo vielleicht sogar die ehrlichste Doppelspitze, die die USA je hatten.

Das gilt allerdings nicht für ihre hiesigen Bewunderer. In AfD- und rechtskonservativen Kreisen wird teils jede Kritik an Trump mit absurden Begründungen abgewehrt – weil es angeblich die „Richtigen“ getroffen habe oder weil der vermeintlich gute Zweck die Mittel heiligt. Moral wird hier selektiv eingesetzt, Gewalt relativiert, solange sie ins eigene Weltbild passt.

Dazu lässt sich nur sagen: Umweltschutz ist auch eine gute Sache.
Wer allerdings linksgrüne Ideologie als autoritär oder gar faschistisch kritisiert, kann bei Trump und Vance selbst dann nicht übersehen – selbst wenn er beide Augen zudrückt –, dass die USA längst nicht mehr der „gute Onkel aus Amerika“ sind. Was hier als Stärke verkauft wird, ist in Wahrheit rohe Machtpolitik, gestützt auf Gewalt, Drohung und die bewusste Missachtung rechtsstaatlicher Grenzen. Wer das hinnimmt oder verteidigt, sollte zumindest den Mut haben, es beim Namen zu nennen.

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