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Staatsversagen: Der Kita-Mord von Viersen

Wer das Berufsfeld kennt und ehrlich betrachtet, für den ist der Mord an dem dreijährigen Mädchen in einer Viersener Kita keine wirkliche Überraschung. Der Umgang mit völlig ungeeignetem Personal hat System. Kommt es zu Vorfällen, scheuen Leitungen die Öffentlichkeit und schlechte Presse. Strafanzeigen werden deshalb nur selten erstattet. So auch im Fall der beschuldigten Erzieherin. Statt solche Fälle gegen die harten Kündigungsschutzgesetze vor den Arbeitsgerichten durchzufechten, wählt man den Weg des geringsten Widerstands, lobt die Mitarbeiter weg in andere Einrichtungen oder entledigt sich ihrer mit einem Auflösungsvertrag. In den Arbeitszeugnissen tauchen solche Verdachtsmomente nur selten verklausuliert auf, weil auch hier die Rechtssprechung auf Seiten der Arbeitnehmer steht.

Aber das ist nur ein Aspekt des Problems, das sich seit Ursula von der Leyens Ganztagsoffensive verschärft hat. Damals liefen verantwortungsbewusste Erzieherinnen und Pädagogen noch Sturm gegen Krippen und verwiesen auf zahlreiche Studien, nach denen Kinder unter drei Jahren am besten zuhause aufgehoben seien. Genutzt hat der Protest nicht. Das ZDF setzte zudem auch noch mit der medialen Hinrichtung von Tagesschausprecherin Eva Herman ein deutliches Zeichen, wohin die Reise zu gehen habe. Und die Veränderungen in der Arbeitswelt leisteten der Ganztagsbetreuung erheblichen Vorschub. Die Auswirkungen sind dramatisch. Es fehlt an qualifiziertem und vor allem charakterlich geeigneten Personal.

Waren Kindergärten früher noch von 7 – 12 geöffnet, dienten als Kontaktbörse für Kinder und verschafften den Müttern zuhause den Freiraum, um die Hausarbeit zu bewältigen oder noch einer kleinen Nebentätigkeit nachzugehen, arbeiten heute meist beide Eltern so schnell wie möglich wieder in Vollzeit. Gegessen wird in der Kita. Gesunde Ernährung, die Julia Klöckner angeblich so wichtig ist, kommt aber nicht aus den Konvektomaten. Über die Zunahme von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien braucht man sich nicht wundern. Die vielen bunten Förderkonzepte in den Hochglanzbroschüren der Einrichtungen täuschen darüber hinweg, dass es sich bei den meisten Kitas um nichts anderes handelt, als staatliche Verwahranstalten, in denen Kindern das entzogen wird, was sie am nötigsten brauchen: Liebe, elterliche Fürsorge und Geborgenheit.


Erstveröffentlichung auf: O24