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Nazi-Alarm im Kinderzimmer: Das düstere Geheimnis von Vader Abraham

Vader Abraham / Screenshot Youtube

In diesem Jahr feierte der niederländische Schlagersänger und Komponist Pierre Kartner seinen 85. Geburtstag. Weltberühmt wurde er 1978 als Vader Abraham mit dem „Lied der Schlümpfe.“ Auch als Komponist für deutschsprachige Schlagergrößen machte sich Kartner einen Namen. „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ stammte aus seiner Feder und wurde der größte Hit von Peter Alexander. Doch in der Klatschpresse sucht man vergebens nach Glückwünschen für den beliebten Jubiliar. Statt dessen liefert Google nur zwei Treffer, darunter das Käseblättchen Extra-Tipp. „Vader Abraham hütet düsteres Geheimnis – kein Fan weiß davon“, so lautet die Clickbait verdächtige Schlagzeile. Und Schlager.de titelte: „Vader Abraham: Das düstere Geheimnis des Schlumpf-Sängers!“

Was hat Vader Abraham nur getan, dass er derart in Ungnade gefallen ist? Die vermeintliche Enthüllung deckt alles andere als ein Geheimnis auf, nur früher störte sich niemand an der politischen Einstellung von Kartner, weder in den Niederlanden, noch in Deutschland, wo er in der ZDF-Hitparade mehrfach den ersten Platz erreichte. Vader Abraham ist konservativ. Anders als bei deutschen Systempunkern und Regierungsrockern mit harter Schale und weichem Hirn, steckt in dem soften Schlagerkostüm ein ganzer Kerl, der sich nicht scheut, Stellung zu beziehen. Lange vor dem Schlumpflied war er in den Niederlanden schon ein großer Star. 1973 nahm er mit dem rechtskonservativen Politiker Hendrik Koekoek von der Boerenpartij (Bauernpartei) den Karnevalsschlager Den Uyl is in den olie auf. Das Lied erreichte Platz 1 der Hitparade und machte Bauer Kuckuck (Boer Koekoek) mit 63 Jahren zum ältesten Chartstürmer im Land der Windmühlen. In dem Spottlied wird der damalige Ministerpräsident wegen seiner Haltung während der Ölkrise kritisiert, welch ein Skandal.

Zwei Jahre später legte er noch einmal nach und sang Wat doen we met die Arabieren hier. Darin nimmt er wieder Bezug auf die Ölkrise, die vielen europäischen Ländern ein sonntägliches Fahrverbot bescherte.

Der Titel wurde tatsächlich aus dem Handel genommen. Der Text erschien manchen Radiostationen zu hart, da zu Beginn der 70er Jahre große Spannungen wegen der Einwanderungspolitik der Regierung zu Unruhen in der Bevölkerung führten. 1972 kam es im Rotterdamer Stadtteil „Afrikaanderwijk“ zu Übergriffen auf Einwanderer, die vermehrt in das Hafenviertel drängten, während viele Niederländer vergeblich auf Wohnungssuche waren. Am 10. August stürmten mehrere Gruppen die Quartiere von Einwanderern, die teils illegal in Pensionen untergebracht waren und jagten sie mitsamt ihren Sachen auf die Straße. Erst nach drei Tagen kehrte wieder Ruhe ein.

Im Liedchen von Vader Abraham geht es aber um „Araber“, die mit der Ölkrise ein dickes Geschäft gemacht hatten und anschließend in den Niederlanden Unternehmen und Großimmobilien aufkauften. „Sonntags ließen sie uns laufen, jetzt können (gehen) sie alles kaufen“. Im zweiten Teil des Refrains heißt es „Man kann ihnen nicht vertrauen, bei unseren schönen Frauen.“ Viel schlimmer als „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, ist der Song auf der Melodie von „Ich hab ne Tante aus Kalkutta“ dann doch nicht. Vader Abraham blieb auf Kurs und kritisierte mit Het leger van werklozen (Die Armee der Arbeitslosen) den ausufernden Sozialstaat der Niederlande. Warum sollte jemand, der sich vor seiner glänzenden Karriere für keine Arbeit zu schade gewesen ist und für seinen Erfolg hart gearbeitet hat, auch plötzlich seine Einstellung ändern?

Nach dem Schlumpfhype stellte sich Vader Abraham auf die Seite von Pim Fortuyn, der in den Niederlanden keine schlechten Chancen hatte, Ministerpräsident zu werden. Fortuyn wollte das Königreich „de-islamisieren“ und zog damit den Hass von Linken und Islamisten gleichermaßen auf sich. Der Song „Wimmetje gaat, Pimmetje komt“ wurde kein Hit, denn Fortuyn starb am 6. Mai 2002, kurze Zeit nach der Veröffentlichung durch einen feigen Mordanschlag eines linksradikalen „Umweltaktivisten“, der auf Wikipedia nur als „ein Mann“ bezeichnet wird. Volkert van der Graaf bekam 18 Jahre Gefängnis und wurde bereits 2014 auf Bewährung entlassen. Seit Mai 2020 ist er wieder ein freier Mann.

Und auch im hohen Alter bewies Vader Abraham, dass er mehr kann, als nur „La la lalla lalla lalla la la“ mit Schlumpfstimme singen. Im letzten Jahr sprang er den niederländichen Bauern mit dem Protestsong „Without Farmers No Food“ bei. Extra-Tipp weiß dazu noch abfällig zu berichten, dass er sich in einem Interview mit HLN zu falscher Toleranz geäußert hat. „Heutzutage wird man für eine Packung Zigaretten oder ein Bier zusammengeschlagen. Mein Kopf muss sich wirklich an diese neue Realität gewöhnen. Glücklicherweise wurde mir sinnlose Gewalt erspart. .. Aber es ist eine Schande, dass Toleranz oft das Problem ist.“ Das hätte er natürlich nicht sagen dürfen, kein Wunder, dass die Käseblättchen nichts von ihm wissen wollen.

Darum, lieber Vader Abraham, von mir nachträglich alles Gute zum 85. Geburtstag. Jetzt bist du endlich so alt, wie du damals schon aussahst und steckst sie alle in die Tasche, die Luschen namens „Campino“, die „Ärzte“, die „Mannsbilder“ von „Santiago“ und wie sie alle heißen. Große Fresse, nichts dahinter. Du bist andersherum, was in diesen Zeiten so viel bedeutet wie gerade heraus! Gelukkige verjaardag!

Und die Schlümpfe? Reicht die Kontaktschuld zu Vader Abraham, um sie endgültig aus den Kinderzimmern zu verdammen?

Die Vorwürfe sind nicht neu. Die Welt der Schlümpfe sei das Abbild einer totalitären Gesellschaft, heißt es immer wieder einmal. Besonders tief in die Jauchegrube hat vor ein paar Jahren die Jüdische Allgemeine gegriffen und dann diese Schlagzeile hervorgeholt: Blaue Haut, blondes Haar, braune Gesinnung? Der Zauberer Gargamel gleicht dem dpa-Artikel nach angeblich einer antisemitischen Karikatur und das blonde Schlumpfinchen verkörpere das arische Schönheitsideal. Ähnliche Dummheiten findet man zuhauf in anderen Magazinen der „Qualitätspresse“. Als Belege für Antisemitismus schreibt beispielsweise Chip, „…. dass der größte Feind der Schlümpfe Gargamel und seine Katze Azrael jüdische Namen hätten.“ Azrael ist allerdings der arabische Name für den Todesengel im Islam. Blöder geht es kaum noch.

Getoppt werden die absurden Anwürfe nur noch von einem ehemaligen Schlumpfhasser, der die blauen Zwerge für den Kampf gegen Rächz entdeckt hat: „Als ich ab 1977 immer mal wieder das Lied der Schlümpfe von Vader Abraham im Radio hörte, fällte ich mein Urteil jedes Mal recht schnell: Senderwechsel. Heute, rund 35 Jahre später, sitzt eine Schlumpf-Figur auf meinem Schreibtisch.“ Damit sind die Schlümpfe freigesprochen. Ich finde sowieso, dass Papa Schlumpf mit seiner roten Mütze mehr von Karl Marx hat. Der wiederum war ein glühender A ….. ch schlumpfen wir das!


Beitragsbild via Screenshot Youtube / Was wird sein fragt der Schlumpf / fritz5143