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Ein paar kritische Takte zum Soft-Pogo gegen den #Lockdown und das Prinzip der Unberechenbarkeit

Foto: O24

Niemand muss meine Meinung teilen, manche Mit- und Gastautoren sehen es sicher anders und wahrscheinlich auch die meisten O24-Leser. Wieder gehen tausende Menschen auf die Straßen und das völlig zu Recht. Wut und Empörung sind lagerübergreifend deutlich höher als zu Beginn der „Asylkrise“ und sogenannte „Linke“ sehen ihre Felle davon schwimmen. Die „Antifa“ hätte ihre Chance ergreifen können, den Lockdown im Kampf gegen „Kapital“ und „Bullenstaat“ zu nutzen, aber es zeigt sich einmal mehr, dass es sich bei den vermummten Schlägern nur um bezahlte Chaostruppen und geduldete nützliche Idioten handelt, die für politische Zwecke der Regierungsparteien instrumentalisiert werden. Anders sind Attacken, wie der Anschlag auf den LKW der Stuttgarter Veranstalter, nicht zu erklären.

Die irrsinnigen Maßnahmen der Regierungen, die ihre Bürger mit Maskenpflicht und absurden Abstandsregeln erniedrigen, ohne dabei auch nur einen nennenswerten Effekt im Kampf gegen das „Coronavirus“ zu erzielen, hätten noch ganz andere Formen des Widerstands verdient. Mit dem Soft-Pogo gegen die Bioroboter in Uniform und Appellen an die Einsicht von Politik und Medien gibt die diffuse Bewegung kein gutes Bild ab, was zu verschmerzen wäre, sie gibt sich aber auch der Lächerlichkeit und viel schlimmer noch, der Berechenbarkeit preis.

Pogo geht so. Alles andere ist „Safety Dance.“ Das war 1982, ein Jahr vor Modern Talking und dem Beginn der Gesellschaftsverschwulung, wie Akif Pirinçci es ausdrücken würde. Damals haben alle Disco-Schwuchteln auf dem Song der Kanadier gehüpft, ohne auch nur zu wissen, was es mit diesem Safety Dance auf sich hatte. Der Sänger hatte wegen seines allzu männlichen und Anfang der Achtziger nicht unüblichen Tanzstils Hausverbot in sämtlichen Clubs bekommen und machte sich mit dem Lied über die Disco-Szene lustig. Dass die Scheibe ein Hit wurde, damit hatte keiner gerechnet.

Aktuell sind Hygiene-Demos der Hit unter Widerständigen, aber kaum einer scheint zu begreifen, worum es eigentlich geht und nach wessen Pfeife er gerade tanzt. „Weder links, noch rechts“ war schon die Parole der Montags-Mahnwachen, die recht schnell zerstört wurden. Protagonisten damals: KenFM, Jürgen Elsässer, Andreas Popp, Sven Liebig und viele weitere. Nichts Beständiges ist daraus erwachsen, kein Wunder. Nun aber wird mit härteren Bandagen gekämpft, doch sonst hat sich kaum etwas geändert.

Selten habe ich ein so dämliches Video gesehen, einem solchen Aufruf Folge zu leisten, ist mindestens genauso bescheuert, wie mit einer Maske Einkaufen zu gehen. Mainstreamjournalisten hatten gestern ihre helle Freude daran, die Bilder von trommelnden, tanzenden, verwirrten Hippie-Wiedergängern durch die „sozialen“ Netzwerke zu posten, während ein paar Meter weiter neben den Schauplätzen des Widerstands mindestens zehnmal so viele Menschen ihren ganz „normalen“ Samstagnachmittag mit Bummeln, Eisessen und Kaffeeklatsch verbrachten. Wie penibel dort die „Abstandsregeln“ eingehalten wurden, hat niemand dokumentiert. Polizeieinsätze abseits des Geschehens gab es offenbar keine.

Der Widerstand wird weiter wachsen, aber genau so schnell erlahmen, wie die Corona-Einschränkungen zurück gefahren werden. Erste Erfolge werden bereits auf den Druck durch die Menge zurückgeführt. Eine Zwangsimpfung soll es nicht geben, heißt es aus dem Kanzleramt, glauben muss man das nicht, doch noch ist gar kein Impfstoff in Sicht und nur reine Fantasie im kranken Hirn von Sonnenverdunkler Bill Gates, der eigentlich das personifizierte Argument der Linken für Enteignung sein müsste. Da er gleichzeitig einer ihrer größten Geldgeber ist, himmeln die Weltverbesserer die Blofeld-Variante an, als handele es sich um Karl Marx persönlich. Das verstehe, wer will. Che Guevara hätte solchen Typen ohne mit der Wimper zu zucken seinen legendären Genickschuss verpasst und sich die ganze Kohle einfach eingesteckt, statt darum zu betteln. Der Typ mag ein eiskalter Mörder gewesen sein, aber er hatte Mumm und Stil und ging am Ende für seine Sache drauf. So was will keiner der Soft-Revolutionäre von heute, denn es sind Neulinke, auch wenn sie sich unpolitisch geben, die in Stuttgart das Zepter in die Hand genommen haben.

Utopien, wie das bedingungslose Grundeinkommen und „Basisdemokratie“ sollen Widerstand2020 zu einer Mitmach-Partei machen, die aber, wenn sie denn durch den Bundeswahlleiter zugelassen werden soll, sich den Regeln des Parteienstaats fügen muss. Spätestens dann findet der Pippi-Langstrumpf-Effekt sein verdientes Ende. Politik ist kein Kindergarten, aber genau dort wird bereits Politik gemacht, um hörige Bürger heranzuzüchten, die jeden Dreck für bare Münze nehmen, die ihnen Ideologen und Medien auftischen. Wenn sich etwas in Richtung Freiheit ändern soll, müssen der Staat und seine Strukturen auf ein Minimum reduziert werden. Weg mit verbeamteten Lehrern, staatlichen Kitas, weniger statt mehr Polizisten, „Arbeitsagenturen“ schließen und nicht zuletzt das Medienkartell von Regierung und Parteien restlos zerschlagen, wie einst die IG Farben, nur dieses Mal vollständig.

Und dann ist da noch das Geldsystem, das nicht mal für die eurokritische AfD ein wirkliches Thema war. Solange diese Themen nicht auf der Agenda stehen, lohnt es sich nicht, für irgendeinen Widerstand auf die Straße zu gehen und etwas zu riskieren. Wem dient das Spektakel, wer hilft dem kleinen unbekannten, von Polizisten vielleicht misshandelten Nicht-Youtuber aus der Klemme, aus dem Knast, sammelt für ihn Geld, damit er sein Gerichtsverfahren bezahlen kann und bietet ihm einen Job an, wenn er ihn wegen seiner Teilnahme an so einer Demo verliert? Die Zuschauer von Tim K… ? Die vorneweg marschieren nehmen ganz schnell die Beine in die Hand und lassen sich nicht mehr blicken, wenn die Polizei erst richtig zulangt. Selbst Stuttgart 21 war ein Witz gegen die Härte und Brutalität der Chinesen und anderen Diktaturen, die nicht auf „demokratisch“ machen, weil ihnen ihr internationales Image so ziemlich am Arsch vorbei geht. Geschäfte muss man so oder so mit ihnen machen. Daran kommt keiner vorbei. Bald werden sich auch die EU-Staaten diesen Luxus nicht mehr leisten können und wollen. Wozu auch? Um ihr Ansehen bei den Saudis müssen Merkel, Macron, Kurz und andere Heuchler nicht fürchten, eher im Gegenteil.

Dieses Dagegen sein und Aufbegehren gegen die Politik, ich betone es noch einmal, sind trotzdem berechtigt, mehr als das, sie sind notwendig. Das Problem sind nicht die linken Schläger oder die gegenseitige Vereinnahmung von Linken und Rechten oder Rechten und Linken, was noch nie zu etwas geführt hat, sondern nach wie vor die Trägheit der Masse, die sich erst in Bewegung versetzen lässt, wenn die Schieflage durch Wirken der Schwerkraft nicht länger ignoriert werden kann. All das ist mehr oder weniger berechenbar. Wäre es nicht klüger, sein Verhalten so zu verändern, dass der Gegner nicht vorausschauend planen kann? Kann das auch einer „Bewegung“ gelingen?

Das Prinzip der Unberechenbarkeit findet man eher in pädagogischen und therapeutischen Konzepten, die sich mit Verhaltensänderung befassen. Letztlich geht es darum, kritische Situationen und Eskalationen, die stets nach dem selben Schema ablaufen, durch unerwartete Re-Aktionen zu verändern. Die sinnlose Standpauke für pubertierende Teenager dient dabei als Paradebeispiel. Wird diese durch etwas anderes ersetzt, läuft auch die Provokation ins Leere und führt zwangsläufig zu einer Veränderung der gesamten Interaktion. Sind beide Seiten an einer Verbesserung interessiert, bietet dieser Ansatzpunkt durchaus größeres Potential.

In der politischen Auseinandersetzung geht es nicht um Konsens, sondern Sieg und Niederlage, Herrschen oder beherrscht werden. Die Systemfrage kann nicht mit einem faulen Kompromiss beantwortet werden. Nationalstaat oder EU, Sozialstaat oder offene Grenzen, freier Markt oder Planwirtschaft, Geld oder Schuld“geld“ ….

Was sollen eine diffuse Protestbewegung, Wut und Empörung dazu beitragen, diese Fragen zu beantworten? Es reicht doch nicht, keine Maske tragen zu wollen und sich über den Rest der Unzufriedenheit gar nicht im Klaren zu sein. Mit den üblichen Methoden kommt man nie ans Ziel. Angemeldete Versammlungen lassen sich steuern, unterwandern, radikalisieren, genauso wie organisierte Partei- und andere Strukturen. Bei der AfD kann man es modellhaft beobachten. Hat die Partei gerade mal Boden gut gemacht, kommt schon der nächste „Skandal“ wie gerufen, werden Emails geleaked oder Austritte und Rauswürfe machen Schlagzeilen. Und was soll denn überhaupt so ein Typus Politiker, wie ihn alle Parteien hervor bringen, für eine Veränderung bewirken? Sie steht doch seinen Interessen entgegen.

Nur außerhalb der bekannten Pfade, dort wo sich die nach immer gleichen Mustern agierende Politik nicht auskennt, lassen sich die eigenen Regeln diktieren und der Kampf gegen das System gewinnen. Sie können uns zwingen, ihre Medien zu bezahlen, aber nicht, jedenfalls noch nicht, sie auch zu konsumieren. Nach dem Prinzip der Unberechenbarkeit müsste eine Protestbewegung das Gegenteil von dem machen, was die Regierung erwartet, Albernheiten, wie Sitzblockaden und Meditationen, Parteigründungen und sonstigen Blödsinn unterlassen und so gut wie gar nicht sichtbar werden, keine Angriffsfläche bieten.

Statt sich in sinnlosen Aktionen zu verbrauchen, sind eigene Strukturen wichtiger denn je, weniger über das Netz, sondern im direkten Umfeld. Wo findet man einen Job, etwas zu Essen, ein Dach über den Kopf und Menschen, die zu einem halten, wenn uns demnächst der ganze Laden um die Ohren fliegt? Darauf kommt es an, wenn es um mehr, als nur Klopapier geht.


Erstveröffentlichung auf: O24